Veröffentlicht am 14. Oktober 2021

Notes

Ist es ein Junge oder Mädchen? Es ist ein Kind.

Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die großen Impact auf uns haben – eine Begegnung, eine Beobachtung oder auch einfach ein Gedanke, der uns zufliegt. In den "Notes" schreiben Mitwirkende der Rainbow World über Themen, die sie einfach mal ansprechen wollen. Weil sie ihnen eben gerade auf dem Herzen liegen. Diesmal: Anna Hesse, Mitgründerin der Rainbow World.

Naaa, wie war’s in der Kita? Die Antwort meines damals 2-Jährigen fiel altersgemäß knapp aus. Aber immerhin konnte ich ihm entlocken, dass es einen Neuzugang in seiner Krippengruppe gab: Kim (Name geändert). „Ist das ein Mädchen oder ein Junge?“, fragte ich ihn. Er überlegte kurz und sagte dann: „Ein Kind.“ Und sofort ging mir das Herz auf und ich nahm meinen Sohn fest in den Arm. Was für eine dämliche Frage von mir! Und was für eine kluge Antwort. Warum muss man jedes Geschöpf dieser Erde als Allererstes gleich in eine Geschlechterschublade stecken? Das fängt beim Babybauch-Orakel an, geht dann im Kinderwagen weiter („Ooooh, wie süüüüß – Mädchen oder Junge?“). Nicht mal vor Hunden macht das halt ;-)

Woher kommt das? Weil es bei Babys und Kleinkindern (noch) so wenige andere Merkmale gibt, an denen man sich im Smalltalk entlanghangeln kann (ich kann mich ja schlecht nach den Hobbys des Säuglings erkundigen)? Oder ist Interesse oder gelernte Konversation? I don’t know. Auf jeden Fall kostet es in machen Situationen richtig Energie, werdende oder frischgebackene Eltern nicht nach dem Geschlecht des Kindes zu fragen. Nicht wegen der plagenden Neugier, sondern weil man denkt, es komme super-desinteressiert rüber. Probiert's mal aus.

Gender-Neutralität, vom Kind gelernt

Meine Schwester wollte sich vom Geschlecht ihres Babys überraschen lassen. Hat nicht ganz geklappt, weil sich Richtung Ende der Schwangerschaft doch ein Arzt verplapperte. Aber dennoch: Ich fand es toll. Denn, mal ehrlich: Who cares? Einzig wichtig ist doch, dass da ein gesundes, bereits vor ihrer oder seiner Geburt über alle Maßen geliebtes Wesen auf die Welt kommt.

Mich hat die Mini-Unterhaltung mit meinem Kind jedenfalls dafür sensibilisiert, das Geschlecht nicht mehr so priorisiert abzufragen. Ich möchte die Welt lieber ein bisschen mehr durch die Augen meines Kindes sehen, dem weitestgehend egal ist, ob man ein Junge oder ein Mädchen ist und welche Rollenbilder damit einhergehen. Das geht leider viel zu schnell vorbei, fürchte ich. Aber man kann mit einem möglichst genderunabhängigen Umgang mit dem Kind ein großes Stück davon bewahren. Und das möchte ich gerne versuchen.